Aus der Praxis
Auf drei Biogasanlagen in Norddeutschland führte die MT Energy Service GmbH (MTES) kürzlich Behälterrevisionen durch. Gestartet wurde mit der Sanierung der in 2007 in der Gemeinde Anderlingen in Betrieb genommenen Biogasanlage, die über eine elektrisch installierte Leistung von 6,2 MW verfügt.
Das hier produzierte Biogas wird über die anhängigen Blockheizkraftwerke verstromt. Die anfallende thermische Energie versorgt fünf Wärmenetze. Im Interview mit der MTES Newsletter Redaktion gaben Jan Tomforde, Geschäftsführer der Burfeindt-Tomforde Energieerzeugungs-GmbH & Co. KG und Volker Rehfinger, MTES, spannende Einblicke in den Ablauf der Behältersanierung, welche Herausforderungen zu meistern waren und welche regelmäßigen Serviceleistungen für einen erfolgreichen und sicheren Anlagenbetrieb empfehlenswert sind.
Herr Tomforde, wie kamen Sie zum Thema Biogas und regenerative Energien?
Jan Tomforde: 1995 habe ich den landwirtschaftlichen Betrieb meiner Eltern übernommen und weiter in Richtung Tierhaltung ausgebaut. Schwächelnde Erzeugerpreise für Milch und Fleischprodukte und das EEG motivierten mich 2005 zum Einstieg in das Thema regenerative Energien und zur Planung einer Biogasanlage zusammen mit Rainer Burfeindt. Ursprünglich wollte ich die Tierhaltung der Landwirtschaft beibehalten. Da das Thema Energie jedoch umfangreicher und komplexer als gedacht war, fiel die Entscheidung, die Biogasanlage als Profitcenter fulltime zu betreiben. 2007 wurden mit der Anlage in Anderlingen-Ohrel die ersten Kilowattstunden produziert. Im Laufe der Jahre haben mein Mitgesellschafter Rainer Burfeindt und ich weitere, sogenannte Satellitenstandorte generiert.
Seit wann arbeiten Sie mit MTES zusammen und wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Jan Tomforde: Von Beginn an war unser erster Ansprechpartner die MT Energie GmbH aus der später die MTES entstanden ist. Allein die räumliche Nähe von nur gut 10 Minuten Entfernung und die Kompetenz in Sachen Biogas hat das notwendige Vertrauen geschaffen. Die erste Anlage haben wir hier gekauft. Erweiterungen und Ausbau der Anlagen wurde in gemeinsamer Arbeit mit MT- Energie bzw. MTES realisiert. Wir haben auch mit anderen Anbietern zusammengearbeitet, aber im Wesentlichen mit der MT- Energie bzw. MTES.
Wieso kamen andere Anbieter ins Spiel?
Jan Tomforde: Das lag darin begründet, dass die frühere MT Energie GmbH die Quellcodes zur Anlagenprogrammierung nicht mitlieferte. Mit Blick auf künftige Anlagenerweiterungen wollten wir jedoch unbedingt unabhängig sein und zur freien Programmierbarkeit die Quellcodes haben. Dies hatte oberste Priorität für uns. Aktuell ist die MTES ja nun dabei, diesen Kundenwunsch umzusetzen und eine Anlagensteuerung anzubieten, die die Quellcodes durch eine Cloud-Lösung zur freien Verfügung stellt. Das begrüßen wir sehr.
Bei drei von Ihnen betriebenen Biogasanlagen wurden in diesem Jahr Behälterrevisionen durchgeführt. Aus welchen Gründen haben Sie MTES mit den Sanierungen beauftragt?
Jan Tomforde: Zum einen, weil MTES individuelle Sanierungskonzepte erstellt. Zum anderen haben wir seit unserer Gründungszeit ein tolles Verhältnis zu Herrn Volker Rehfinger, der uns von der ersten Stunde an betreut, es ist der Bezug zur Praxis nicht verloren gegangen. MTES bietet einen hervorragenden Service.
Können Sie das konkretisieren?
Jan Tomforde: Vor zwei Jahren war eines unserer Tragluftfoliendächer gerissen. In dieser kritischen Situation hat uns Herr Rehfinger innerhalb nur weniger Tage eine Lösung geliefert. Der Preis war gut und die Reaktionszeit war zu dem Zeitpunkt super und ist es heute noch.
Wie sah das Sanierungskonzept für Ihre drei Anlagen aus?
Jan Tomforde: Die aktuellen Sanierungen waren sehr komplex. Von der Idee bis zur Umsetzung hat die Sanierungsplanung ein ½ Jahr gedauert. Bei der Behälterrevision muss man schauen, wann der günstigste Zeitpunkt dafür ist. Das ist bei uns während der Vegetation von April bis Juni. Bei der Analyse des Sanierungsbedarfs stellte sich schnell heraus, dass wir entweder am Rührwerk oder am Substrat etwas ändern mussten. Die Entscheidung fiel dann für Paddelrührwerke, die sich besonders bei schwierigen Substraten empfehlen. Zudem laufen Paddelrührwerke mit nur 20% der installierten Leistung. Daher ist unser Stromverbrauch schon jetzt gesunken. Mit den alten Rührwerken hatten wir vorher 17 KW und waren fast immer an der Leistungsgrenze. Nun benötigen wir nur noch 5-6 KW. Die MTES hat die von einem anderen Hersteller gelieferten Paddelrührwerke bei uns eingebaut und die gesamte Peripherie erledigt.
Volker Rehfinger: Was die Paddelrührwerke betrifft gibt es ein Nord-Süd-Gefälle: Bei uns hier im Norden liegt der Schwerpunkt auf Mais. Auch auf den Biogasanlagen von Herrn Tomforde wurde bis 2008 100% Mais gefüttert. Heute ist hier 50% Mist im Einsatz. Das macht das Substrat im Handling deutlich schwieriger. Im Süden gibt es z.B. mit Grassilage schon lange schwierige Substrate, daher sind dort vermehrt Paddelrührwerke im Einsatz. Wir verbauen im Süden öfter Paddelrührwerke, haben das aber im Norden bislang nicht werblich bekannt gemacht.
Jan Tomforde: Ich möchte noch ergänzen, dass wir mit den Paddelrührwerken jetzt viel flexibler bzgl. des Substrates sind. Der Misteinsatz bedeutet zudem, dass wir nun 50% weniger Mais anbauen bzw. beschaffen müssen. Das ist nicht nur finanziell von Vorteil. Mais ist zum Einen in unserer Region hart umworben und zum Anderen fällt es so leichter, die EU- Vorgabe der Anbaudiversifizierung beim Anbau von Ackerfrüchten zu erfüllen. Stichwort „Vermaisung“.
Wie lief die Sanierung ab?
Jan Tomforde: Wie gesagt, waren diese Sanierungen recht komplex. Das Dach wurde von MT Energy Service geöffnet. Während eine Fremdfirma einen Behälter reinigte, hat die MTES bereits das Dach der Nachbaranlage geöffnet. Vor Ort war ständig ein Team von 6 bis 8 Leuten, die mal bei der einen, mal bei der anderen Anlage gearbeitet haben. Das haben alle gut gemacht. Es hat super geklappt, auch weil wir mit Herrn Timo Nienburg, MTES, ein Projektmanagement vor Ort hatten, dass alle Arbeiten vorausschauend getaktet hat. Timo Nienburg hat als Hauptverantwortlicher wirklich toll mitgedacht. Da hat keiner darauf geschaut, wann Feierabend ist. Die Kommunikation verlief über kurze Dienstwege in Absprache mit den Anlagenfahrern. So war es möglich, bei Bedarf sehr spontan agieren zu können.
Ich kann nur sagen: Wer den Umbau seiner Anlage plant, macht das am besten mit MTES, weil Know-how, Service und die Reaktionszeiten gut sind.
Volker Rehfinger: Mit der Öffnung des Daches gewinnen wir einen ersten guten Einblick, was zu tun ist. Ein individuelles Sanierungskonzept mitsamt der Kostenkalkulation zu erstellen, ist aber realistisch erst möglich, wenn der Behälter gereinigt und die gesamte Technik und alles was verbaut ist, überprüft ist. Diese authentische Analyse der Ist-Situation und die festgestellten Fakten schaffen die Vertrauensbasis, auf der wir unsere Kunden beraten und ein individuelles Angebot erstellen. Nach Auftragserteilung erfolgt die Demontage des gesamten Behälters. Bei den Anlagen von Herrn Tomforde wurden nicht nur die Behälter gereinigt, sondern erhielten durch ein Subunternehmen auch eine neue Betonbeschichtung. Schließlich wird alles an Technik, welche intakt ist, wieder im Behälter montiert und nur defekte Technik durch neue ersetzt. Am Ende erfolgt eine Wasserspülung, wir testen die Rührwerkstechnik und gehen noch mal unsere Checklisten durch. Für einen Behälter dauern diese Arbeiten in etwa eine Woche. Alles wird von uns geplant, durchgeführt bzw. mit den anderen beteiligten Gewerken von uns vor Ort koordiniert.
Was genau waren die Herausforderungen bei dieser Behältersanierung? Wie wurden diese gemeistert?
Jan Tomforde: Eine große Herausforderung war die unglückliche Taktung der Restentleerung. Für den großen Bagger braucht man eine Sondergenehmigung für Schwertransporte. Da war das Timing extrem eng. Die Anlagen waren schon geöffnet, doch mit den Sondergenehmigungen für die Schwertransporte kann das zeitlich schon mal kollidieren. Auch das Wetter muss mitspielen. Das Dach kann nicht bei jedem Wetter geöffnet oder geschlossen werden. Und trotz guter Planung gibt es beim Öffnen der Anlage immer mal wieder Überraschungen. Bei einer Anlage war die Heizung defekt. Das hatten wir zwar schon vermutet, da wir im letzten Winter bemerkten, dass die Heizleistung nachließ, aber der Umfang war deutlich größer als erwartet und die Heizung musste schlussendlich komplett ersetzt werden. Wenn man vorausschauend sanieren möchte, muss man sich vorher detailliert Gedanken machen. Wenn der Behälter offen ist, muss man schnell entscheiden. Da ist dann auch schon mal die Stimmung schlecht, aber es gibt keine Alternative, wenn z.B. eine Heizung defekt ist. Dafür waren wiederum andere Behälter in einem besseren Zustand als erwartet. Jetzt nach der Sanierung werden wir wieder gute Ergebnisse und gute Leistung erzielen. Und dank der Paddelrührwerke Energie einsparen und Betriebsunterbrechungen reduzieren.
Welche Vorteile sehen Sie in der regelmäßigen Pflege in Form der Behältersanierung?
Jan Tomforde: Die regelmäßige Behältersanierung ist sehr wichtig. Das sehen wir allein daran, was wir an Sedimenten rausholen. Zudem altert eine Anlage. Bei uns fiel auch die Entscheidung, Rohrdimensionierungen zu vergrößern. Vorsorglich haben wir dafür jetzt größere Bohrungen an Substratleitungen vorgenommen, um künftig noch andere Substrate verarbeiten zu können. Extrem wichtig ist auch, dass MT Energy Service die Anlage wirklich von Grund auf in Augenschein nimmt. So wird sichtbar, wo der Beton ausgebessert werden muss. Aus diesen Gründen sind Sanierungen einfach generell notwendig. Und wer im Zuge der Sanierung präventiv tätig wird und die Anlage z.B. durch größere Bohrungen auf andere Substrate vorbereitet, die Gasmembrane schon präventiv tauscht, um Gasverluste zu vermeiden, der wird seltener unliebsame Überraschungen erleben.
Was unterscheidet die MTES aus Ihrer Sicht von anderen Anbietern?
Jan Tomforde: Da kann ich mich nur wiederholen: Die Reaktionszeit ist sensationell gut. Schön wäre, wenn MTES auch aufzeigen würde, welche Fördermöglichkeiten es hinsichtlich CO2- Einsparung und Energieoptimierung gäbe.
Sind Sie mit der Qualität der von MTES ausgeführten Leistungen und dem Ergebnis zufrieden?
Jan Tomforde: Ja absolut. Da gibt es nichts zu meckern. Sanierungen an drei Anlagenstandorten, in Summe 10 Behälter, das war ein echter Marathon und ordentliche Arbeit.
Welche Services/Leistungen von MTES nutzen Sie darüber hinaus?
Jan Tomforde: Im Alltag all das, was für die Gärstrecke sowie für anfallende alltägliche Reparaturen nötig ist. Auch das exzellente Labor von MT Energy Service wird intensiv von uns genutzt. Alle Einsatzstoffe werden halbjährlich im mesophilen Batch- Versuch auf Gasertrag untersucht. Außerdem erhalten wir wöchentlich eine prozessbiologische Auswertung unserer Fermenterproben. Für uns ist das Labor so wichtig, weil wir unsere Biogasanlagen mit unterschiedlichen Stoffen füttern. Die prozessbiologische Betreuung liefert uns Daten zum pH-Wert, zu Phosphat und Säuren. Dieses Vorgehen kann ich nur jedem empfehlen, der schwierige Stoffe vergärt. Auch beim Labor stimmt der Service: Wir bekommen ein qualifiziertes Feedback zu den Auswertungen und auch hier läuft alles über kurze, effiziente und schnelle Wege. Es wird sehr gewissenhaft geschaut und wenn es mal Abweichungen gibt, folgt direkt eine Reaktion in Form einer Empfehlung oder Warnung. Deshalb fühlen wir uns mit der prozessbiologischen Betreuung und Beratung durch die MT Energy Service GmbH sehr gut aufgehoben.
Nehmen Sie weitere regelmäßige Services von der MTES in Anspruch wie zum Beispiel die Überprüfung auf Gasundichtigkeit durch eine Gascam?
Jan Tomforde: Aktuell machen wir die Gascam-Untersuchung halbjährlich mit einem anderen Unternehmen, aber ich möchte nicht ausschließen, dass wir das künftig auch mit der MTES machen.
In Ihrem Heimatort Anderlingen wurde die Errichtung einer zentralen Wärmeversorgung initiiert und das Dorf damit zu einem der ersten Bioenergiedörfer in Deutschland gemacht. Kamen Sie auf diese Idee?
Jan Tomforde: Nein, das war nicht meine oder unsere Idee. Wir waren eher Lösungsgeber als Ideengeber. Die Einwohner des Nachbarortes hatten den Wunsch, ein Wärmenetz zu bauen und wir sollten lediglich die Wärme liefern. Daher gründete der Ort mit 90 Haushalten eine Genossenschaft. Leider konnte das Projekt durch die Genossenschaft nicht realisiert werden. Rainer Burfeindt und ich haben im Jahre 2017 das Projekt Wärmenetz übernommen und vollendet. Seit 2018 werden den Haushalten in Summe 2,5 Millionen Kilowattstunden Wärme pro Jahr aus regenerativer Herkunft geliefert. Die Kunden sind sehr zufrieden. Die Abwärme einer Biogasanlage für ein Wärmenetz zu nutzen, finde ich sehr nachhaltig. Ich schiebe gerne neue Projekte an, wenn sie sinnhaft und nachhaltig konzipiert sind. Dazu bin ich auch mit einem kleinen privaten Netzwerk von rund 10 Biogasanlagenbetreibern im Austausch. Biogas bietet viele Chancen. Davon bin ich überzeugt.
Volker Rehfinger: Ich bin selbst an dieses Wärmenetz angeschlossen und kann nur sagen: Besser geht’s nicht.
Welche Chancen und Potenziale sind das, die Sie im Biogas sehen?
Jan Tomforde: Biogas ist schon oft totgesagt worden, aber es bietet innerhalb des aktuellen EEG noch viele Chancen und Potenziale. Bereits die erste Fassung des EEG war attraktiv. Eine Anlage bringt zwar viele Kosten mit sich, aber wenn man eine CO2-Zertifizierung hat und die Abwärme über ein Wärmenetz vollständig nutzt, wird es wirtschaftlicher. Außerdem ist es viel sinnhafter, Wirtschaftsdüngemittel wie z.B. Mist aus Tierhaltung zu vergären. Dieser wird zunächst energetisch genutzt und später als Wirtschaftsdünger ausgebracht. So ergibt sich ein nachhaltiger Rundlauf. Der Mist liefert Energie und die Nährstoffe können dann dort ausgebracht werden, wo sie gebraucht werden. Zudem kann eine Biogasanlage Gas (Methan) speichern um es zu gegebener Zeit, bedarfsgerecht zu verstromen. Das ist der Vorteil vs. Windenergie. Weder Photovoltaik noch Windkrafträder haben eine Speicherkapazität. Mit Biogas tragen wir bereits heute erheblich zur Versorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien bei und zugleich leisten wir mit Biogas einen großen Beitrag zur Netzstabilität in ganz Deutschland.
Ein zentraler Punkt bei Biogasanlagen ist auch zu schauen, mit welchen Stoffen kann ich jetzt und zukünftig meine Anlage füttern und wie muss die Anlage für diese Stoffe umgestellt werden. Mais könnte langfristig nur noch reduziert eingesetzt werden, da die Gesellschaft den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen kritisch sieht. Ökologisch und ökonomisch ist der Maisanbau- und Einsatz aus meiner Sicht völlig unkritisch. Mist aus Tierhaltung kann dagegen durchaus eine Alternative sein.
Haben Sie rundum das Thema regenerative Energie neue konkrete Ideen für die Zukunft?
Jan Tomforde: Eine Zukunftsvision ist, dass LKWs mit Biogas fahren können. Statt fossiler Brennstoffe könnten regionale Transporte dann mit Biogas erfolgen.
Wir bedanken uns recht herzlich für das Gespräch!